Bereits im zweiten Jahr in Folge reiste eine kleine Delegation der Langenfelder Musikschule Mitte März für einige Tage in die irische Partnerstadt Ennis, um an der traditionellen St. Patrick’s Day Parade teilzunehmen. Auf der grünen Insel wird am 17. März der irische Nationalfeiertag zu Ehren des Schutzpatrons St. Patrick gefeiert. Dazu zählen vielerorts Straßenumzüge, bei denen verschiedene Vereine, Musikbands, Organisationen und Schulen sich selbst und ihre Aktivitäten präsentieren – entweder als Fußgruppen oder auf Festwagen.
Acht Langenfelder Schülerinnen und Schüler, ausgerüstet mit drei Gitarren, einem Cello, einer Geige, zwei Querflöten und einer Trommel, sowie zwei Musikschullehrer flogen zunächst von Düsseldorf nach Dublin, um von dort mit zwei Mietwagen den weiten Weg nach Ennis anzutreten. Die Hauptstadt des County Clare liegt knapp 250 Kilometer entfernt an der Westküste Irlands.
Vor den Feierlichkeiten hatte die Langenfelder Gruppe die Gelegenheit, einige touristische Höhepunkte des „Wild Atlantic Way“ zu erkunden, darunter die berühmte Steilküste „Cliffs of Moher“. „Der Ausblick war atemberaubend und die Meeresluft gut für die erkälteten Mitreisenden unter uns“, berichtet Sonja Steinsiek, Lehrkraft für Gitarre, E-Gitarre und Ukulele. „Der nächste Tag führte uns nach Galway, wo wir zunächst das Heimatmuseum besuchten und dann in kleinen Gruppen die Stadt erkundeten.“
Abends gesellte sich Hans Boller, deutschstämmiger Leiter der Musikschule Ennis, zur Gruppe, um den Ablauf der Parade am kommenden Vormittag zu besprechen. „Unsere Truppe vertrat die Stadt Langenfeld mit Fahne und Trommeln“, so Steinsiek. „Mit grün gesprayten Haaren fügten wir uns bestens in die Parade ein; schließlich ist grün die traditionelle Farbe Irlands. Die Stimmung war sehr ausgelassen und fröhlich.“
Ein weiteres Highlight des Irlandaufenthalts war ein Workshop, den Musikschulleiter Boller eigens für die Langenfelder Gruppe organisiert hatte: Drei Lehrer (Gitarre, Geige, Trommel) spielten typische „Irish Tunes“, und im Anschluss durften die Gäste selbst an die Instrumente: In kleinen Gruppen, nach Instrumenten aufgeteilt, lernten sie einige Töne, die zum Schluss alle zusammen probierten.
Die Rückreise der Langenfelder dauerte aufgrund plötzlich eintretenden Schneefalls deutlich länger als geplant. Da die Gruppe zu knapp am Flughafen ankam, um den eigentlich gebuchten Flug zu nehmen, wurde sie auf einen Abendflug umgebucht. Dieser fiel jedoch aus, so dass die Musiker erst am nächsten Tag nach Deutschland fliegen konnten – allerdings nach München. „Diese Reise wird uns allen in positiver Erinnerung bleiben“, resümiert Steinsiek. „Zum einen wegen der vielen (musikalischen) Highlights, zum anderen durch das Rückreisechaos, das uns tatsächlich viele lustige Stunden beschert hat!“
Lea Neuhaus (links) und Kira Marquardt (rechts) freuen sich über den Besuch ihrer irischen Gastschwestern Alanna Hansbury (2. v. l.) und Elena Hayes (2. v. r.). (Foto: Katja Chalupka)
Studentinnen aus Ennis hospitieren am Konrad-Adenauer-Gymnasium
Über Unterstützung von zwei Muttersprachlerinnen freuen sich derzeit die Englischlehrer und Schüler am Konrad-Adenauer-Gymnasium. „Wir helfen im Unterricht vor allem bei der Aussprache und englischen Redewendungen“, berichtet Elena Hayes. Die 19-jährige Lehramtsstudentin absolviert gemeinsam mit ihrer Freundin Alanna Hansbury (18) ein zweiwöchiges Praktikum am KAG. Beide kommen aus Newmarket-on-Fergus, einem Vorort von Langenfelds Partnerstadt Ennis im Westen Irlands.
Da Elena an der Universität von Limerick Biologie und Agrarwissenschaften studiert, hospitiert sie in Langenfeld auch im Biologieunterricht. Dabei ist es hilfreich, dass sie etwas Deutsch spricht. „Nur wenige irische Schüler wählen Deutsch als Fremdsprache“, bedauert die angehende Lehrerin. „Die meisten entscheiden sich für Französisch.“ So auch Alanna, die Grundschullehrerin werden möchte: Am KAG bringt sie im Sportunterricht deutschen Schülern irischen Steptanz bei.
Die beiden jungen Frauen sind in Langenfelder Gastfamilien untergebracht. Alanna wohnt bei Familie Neuhaus, deren Tochter Lea (17) im vergangenen Jahr als Austauschschülerin sechs Wochen bei den Hansburys zu Gast war. „Meine Familie nimmt häufig deutsche und spanische Austauschschüler auf“, erzählt Alanna. „Gerade jetzt wohnt wieder eine Schülerin des KAG bei uns.“ Mit Lea verbindet sie inzwischen eine enge Freundschaft, so dass die Langenfelderin im vergangenen Juni erneut nach Ennis reiste, um mit ihrer ehemaligen Gastmutter Geburtstag zu feiern. „In Irland sind die Menschen viel kontaktfreudiger und hilfsbereiter als hierzulande“, findet Lea.
Elena ist bei Familie Marquardt herzlich aufgenommen worden. Gastschwester Kira (14), ebenfalls eine begeisterte Tänzerin, war zwar bislang noch nicht in Irland, interessiert sich aber für das Austauschprogramm mit Ennis, das am KAG für die Zehntklässler angeboten wird: Jedes Jahr verbringen bis zu 16 Schülerinnen und Schüler je sechs bis acht Wochen in Langenfelds Partnerstadt, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern. „Auf Schulebene läuft der Austausch mit Ennis bereits seit einigen Jahren sehr erfolgreich“, sagt Brigitte Reiner vom Langenfelder Partnerschaftskomitee. „Nun freuen wir uns, dass wir mit Alanna und Elena die ersten Praktikantinnen bei uns begrüßen dürfen. Wir suchen aktuell nach weiteren Praktikumsplätzen für junge Leute aus unseren Partnerstädten.“
Sehr groß und dennoch sehr übersichtlich – so beurteilen die beiden Irinnen das Langenfelder Gymnasium. „Aber es ist echt ganz schön hart, dass die Schule hier schon um acht Uhr morgens beginnt“, meint Elena. Irische Schüler müssen erst ab 9 Uhr die Schulbank drücken. In ihrer Freizeit haben die Freundinnen Köln besichtigt und waren – angesichts des heißen Spätsommerwetters – im Langenfelder Freibad sowie an der Wasserski-Anlage schwimmen. Zudem stand ein Besuch der Schlemmermeile auf dem Programm. „Das deutsche Essen schmeckt anders als das irische, ist aber sehr lecker“, so die einhellige Meinung.
Katja Chalupka
Cliffs of Moher: Die sechs Langenfelderinnen mit Councillor James Breen und Mary Morgan (ganz rechts), die den Schüleraustausch in Ennis organisiert, an den weltberühmten Cliffs of Moher – eine der Haupt-Touristenattraktionen Irlands
Das 10. Ennis Book Festival am ersten März-Wochenende nahmen sechs Langenfelderinnen zum Anlass, der irischen Partnerstadt einen Kurzbesuch abzustatten. Drei Mitglieder des Fördervereins der Stadtbibliothek sowie drei literaturbegeisterte Vertreterinnen des Langenfelder Partnerschaftskomitees machten sich auf den Weg an die Westküste der grünen Insel, um dem zweitgrößten Literaturfestival des Landes beizuwohnen. „Mit einer gelungenen Mischung aus Lesungen, Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Musikdarbietungen und historischen Stadtrundgängen war das Programm sehr vielfältig“, berichtet Martina Seuser, Leiterin der Langenfelder Stadtbibliothek. „Besonders gut hat uns eine Cross-Over-Veranstaltung gefallen, bei der abwechselnd sehr persönliche Gedichte zweier junger Irinnen und Stücke aus Smetanas Streichquartett ‚Aus meinem Leben‘ vor der imposanten Kulisse eines neugotischen Saals vorgetragen wurden.“
In Ennis wurde die sechsköpfige Gruppe vom dortigen Partnerschaftskomitee und dem Ratsvorsitzenden der Grafschaft Clare, Councillor James Breen, sehr herzlich empfangen. Bei gemeinsamen Essen und Unternehmungen gab es Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende zu vertiefen. So hat Martina Seuser mit ihrer irischen Amtskollegin Helen Walsh Möglichkeiten des literarischen Austauschs ausgelotet. „Ich könnte mir vorstellen, irischen Studenten mit Deutschkenntnissen Praktika in der Stadtbücherei anzubieten“, sagt Seuser. „Auch gegenseitige Besuche der Bibliotheksmitarbeiter wären sehr reizvoll.“
Auf Schulebene läuft der Austausch zwischen den beiden Partnerstädten bereits seit einigen Jahren sehr erfolgreich. Inzwischen haben 24 Schülerinnen und Schüler des Konrad-Adenauer-Gymnasiums einige Wochen die Schulbank in Ennis gedrückt und dabei ihre Englischkenntnisse verbessert. Umgekehrt haben neun irische Jugendliche den Weg nach Langenfeld gefunden. Neben zwei Sekundarschulen in Ennis ist seit kurzem eine weitere Lehranstalt in der benachbarten Stadt Shannon am Austausch beteiligt. „Wir haben alle drei Schulen besucht, um uns zum einen für die herzliche Aufnahme der Langenfelder Austauschschüler zu bedanken“, berichtet Brigitte Reiner. Die ehemalige Lehrerin des KAG engagiert sich seit ihrer Pensionierung im Partnerschaftskomitee vor allem in Sachen Schüleraustausch. „Zum anderen wollten wir weitere irische Schülerinnen und Schüler ermutigen, zu uns nach Langenfeld zu kommen.“
Tourismus war ein weiteres zentrales Thema bei den bilateralen Gesprächen. „Wir möchten in Zukunft Reisen für interessierte Langenfelder Bürgerinnen und Bürger in unsere Partnerstädte organisieren“, kündigt Heike Cramer vom Partnerschaftskomitee an. Ennis, das mit etwa 22.000 Einwohnern bereits zu den größeren Städten Irlands zählt und als Zentrum für traditionelle irische Musik gilt, begeistert seine Besucher unter anderem mit bunt getünchten Häusern, urigen Pubs und der Ennis Friary, einer imposanten Klosterruine aus dem 13. Jahrhundert. Der idyllisch am Fluss Fergus gelegene Verwaltungssitz der Grafschaft Clare ist zudem der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge zu den weltberühmten Cliffs of Moher, zur naturbelassenen und windumtosten Halbinsel Loop Head sowie in die bizarre Karstlandschaft des Burren. „Das Partnerschaftskomitee aus Ennis hat uns zu einer beeindruckenden Tour entlang der Panoramaroute ‚Wild Atlantic Way‘ eingeladen, bei der wir uns ein eigenes Bild von der Schönheit dieser wildromantischen, zerklüfteten Küstengegend machen konnten“, berichte
Katja Chalupka